Kuratiert von Azem Bekturova
Seitsemän laulua tundralta (Seven Songs from the Tundra)
Anastasia Lapsui, Markku Lehmuskallio, Finland, 2000, 90 min. Nenets, Russian with English subtitles
Seitsemän laulua tundralta (Seven Songs from the Tundra) von Anastasia Lapsui und Markku Lehmuskallio gilt als kanonisches Werk des indigenen Kinos. In sieben Episoden zeichnet der Film das Leben der Nenzen in der sibirischen Tundra nach und schildert die Gewalt, mit der die Sowjetmacht in dieses Leben eingriff: von Zwangsassimilation und Entrechtung bis zum erzwungenen Zusammenleben mit deportierten Russ:innen.
Als erster Film in nenzischer Sprache ist das Werk selbst ein Akt der Sichtbarmachung. In Kombination mit den beiden zeitgenössischen Kurzfilmen des Abends eröffnet er einen Reflexionsraum über das Leben marginalisierter Gemeinschaften in der ehemaligen Sowjetunion aus dekolonialer Perspektive.
Mit freundlicher Genehmigung der Finnish Film Foundation.
Azem Bekturova ist Doktorandin an der LMU München und unabhängige Kuratorin mit Schwerpunkt auf zeitgenössischer Kunst und Film aus Zentralasien. Zuvor arbeitete sie mit dem HKW für „Destination: Tashkent“ (2024) zusammen und entwickelte Kurzfilmprogramme für das GEGENkino Leipzig und das Ukrainische Filmfestival Berlin (2025). Derzeit ist sie Stipendiatin des Sinema-Plural-Programms.