Kuratiert von Sarnt Utamachote
Elysium vô bờ (Elysium without Shores)
Arlette Quỳnh-Anh Trần, Vietnam, Südkorea 2024, 10 Min., Vietnamesisch mit englischen Untertiteln
ทองปาน (Tongpan)
Isan Film Group, Thailand 1977, 62 Min., Thailändisch mit deutschen und englischen Untertiteln, 16mm
Einführung von Sarnt Utamachote. Im Anschluss eine interaktive Lese-/Sound-Performance von Mon Sisu Satrawaha und Tanaad.
1975 gründete eine Gruppe von Aktivist*innen – Paijong Laisakul, Euthana Mukdasanit, Surachai Jantimatorn, Khamsing Srinawk und Michael Morrow – die Isan Film Group, nachdem sie Seminare über die Politik von Staudamm- und Wasserbewirtschaftung in Nordostthailand (nahe der Grenze zu Laos und im Kontext der sogenannten „kommunistischen Expansion“) besucht hatten. Gemeinsam mit Tongpan, einem lokalen Bauern, entstand Thailands frühester Hybrid-Dokumentarfilm. Die Produktion fiel in Thailands kurze Phase studentischer Demokratie (1973–76), bevor Putsch und Massaker Paijong Laisakul ins politische Exil nach Schweden zwangen, wo sie die Postproduktion beendete. Nach der Verbreitung in Europa und dem Beitritt einiger Kollektivmitglieder zur Kommunistischen Partei Thailands wurde der Film in Thailand verboten. Tongpan wirkte noch in einem weiteren Film mit: Son of the Northeast (1982) von Vijitra Kunawut, der auch Boon Rawd inszenierte, ein Werk aus dem Kurator*innenprogramm In Nobody’s Service. In den letzten Jahren wurde Tongpan in verschiedenen diskursiven Programmen neu aufgegriffen, die sich mit den Nachwirkungen des Kalten Krieges im Kino befassen, darunter das un.thai.tled Film Festival 2021: Common Cold.
Elysium without Shores lädt zu einem kollektiven Ritual einer imaginären Gemeinschaft ein, die die Zerstörung des Staudamms feiert, der – wie bei Tongpan – gewaltsam am Mekong errichtet wurde, und damit ihr Recht auf Land zurückfordert.
Nach der Vorführung ist das Publikum eingeladen, antiamerikanische politische Manifeste aus der Zeitschrift Social Science Review (สังคมศาสตร์ปริทัศน์) zu lesen – ein kritisches akademisches Journal, das 1965 von Aktivist*innen und Schriftsteller*innen gegründet wurde, darunter Sulak Sivaraksa, der auch in Tongpan auftritt. Zwischen 1973-76 wurden antikoloniale und marxistische Texte von Frantz Fanon, Paolo Freire, Mao Zedong und Ho Chi Minh aus der Zensur befreit und ins Thailändische übersetzt. Moderiert von Sarnt Utamachote und Mon Sisu Satrawaha, wird dieses interaktive Lesen von Klangarbeiten Tanaads begleitet, die die antiimperialistischen Vermächtnisse studentischer Aufstände nachhallen lassen.
Mon Sisu Satrawaha (ม่อน ศิศุ สาตราวาหะ) ist eine thailändische Filmemacherin, Künstlerin und Kuratorin. Ihre forschungsbasierte Praxis bewegt sich zwischen Installation, Performance und Kulinarik und untersucht Themen wie soziale Diversität, Anthropologie, interkulturelle Beziehungen und zeitgenössische Kultur.
Tanaad ist ein in Bangkok geborener Musikproduzent, Musiker und DJ, derzeit in Berlin ansässig. Er ist Initiator des Community- und Labelprojekts blozxom.