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Джамиля

Dzhamilya
Irina Poplavskaya, Kirgisische SSR 1969, 78 Min., Russisch, Kirgisisch mit englischen Untertitel

In einem abgelegenen kirgisischen Dorf heiratet Dzhamilya während des Zweiten Weltkriegs einen Mann, den sie nicht liebt. Als dieser an die Front zieht, entwickelt sie eine intensive Beziehung zu dem heimkehrenden Soldaten Daniyar. Umrahmt von den Erinnerungen des jungen Künstlers Seit adaptiert der Film die Novelle von Chingiz Aitmatov zu einer zarten, konfliktreichen Meditation über Sehnsucht, Pflicht und den Preis der Überschreitung gesellschaftlicher Normen.

Diese frühen sowjetischen Werke offenbaren die doppelte Funktion des Kinos als Instrument und Zeuge des Wandels. In den Filmen Без страха (Without Fear) und Джамиля (Dzhamilya) wird die Emanzipation der Frau als sichtbarer Beweis für das Aufkommen der Moderne dargestellt: Die Enthüllung wird zum Spektakel, das Verlangen zur Allegorie. Doch hinter diesen großen Gesten bleibt das individuelle Subjekt undeutlich – ihre innere Welt wird von dem kollektiven Ideal überlagert, das sie verkörpern soll. Was sich abzeichnet, ist ein Kino, das mit seinen eigenen Widersprüchen ringt: Es strebt danach, das Bild einer befreiten Frau zu konstruieren, lässt dabei jedoch die Konturen ihrer Persönlichkeit ungelöst und schwebt zwischen Darstellung und Projektion. (Malika Mukhamejan)

27.11.2025