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CAMP DE THIAROYE

Ousmane Sembène, Thierno Faty Sow, Senegal, Algerien, Tunesien 1988, 147 Min., Wolof, Französisch mit englischen Untertitel

Dieser bedeutende panafrikanische Film über die Bedeutung des Erinnerns würdigt die senegalesischen Tirailleurs – die Mehrheit von ihnen wurde gegen ihren Willen in die französische Armee eingezogen, um im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis zu kämpfen. Obwohl sie enorme Opfer brachten und tausende Gefallene zu beklagen hatten, wurden die überlebenden Tirailleurs von der französischen Armee gedemütigt und misshandelt. Anstatt sie zu belohnen, bombardierten und massakrierten französische Truppen jene Soldaten, die lediglich ihre rechtmäßige Abfindung nach Ende des Kriegsdienstes einforderten. Als der Film 1988 fertiggestellt war, lehnte Cannes ihn ab. Doch bereits im September desselben Jahres lief er im offiziellen Wettbewerb der Filmfestspiele von Venedig und erhielt dort den Spezialpreis der Jury.

Viele afrikanische Filme wurden durch französische Förderungen unterstützt, doch Camp de Thiaroye gehört zu einer Reihe von Filmen, deren Entstehung französische Geldgeber und Produzenten mit allen Mitteln zu verhindern versuchten. Sie argumentierten, solche Werke seien hochgradig subversiv, da sie die Barbarei der Kolonialisierung anprangerten. Eine westliche Welt, die sich bis heute mit dem Anspruch auf Menschenrechte schmückt, war nicht in der Lage, Filme über ihre eigenen Verbrechen zu tolerieren. Realisiert werden konnte der Film nur durch eine Finanzierung aus dem Globalen Süden – aus Marokko, Senegal und Guinea. Als er auf dem Höhepunkt der Anti-Apartheid-Bewegung des African National Congress weltweit auf Festivals große Erfolge feierte, kaufte ein rassistischer Schweizer Verleiher die Exklusivrechte für den gesamten Westen – nicht, um den Film tatsächlich zu zeigen, sondern um sicherzustellen, dass er für die Dauer von zehn Jahren vollständig blockiert blieb. (Mohamed Challouf)

Restauriert vom World Cinema Project der The Film Foundation und der Cineteca di Bologna im Labor L’Immagine Ritrovata in Zusammenarbeit mit dem tunesischen Kulturministerium und dem senegalesischen Ministerium für Kultur und historisches Erbe. Ein besonderer Dank geht an Mohamed Challouf. Die Restaurierung wurde durch die Hobson/Lucas Family Foundation finanziert und ist Teil des African Film Heritage Project, einer Initiative des World Cinema Project der The Film Foundation, der Panafrikanischen Föderation der Filmemacher (FEPACI) und der UNESCO – in Zusammenarbeit mit der Cineteca di Bologna – mit dem Ziel, afrikanisches Kino zu lokalisieren, zu restaurieren und weltweit zugänglich zu machen.

17.09.2025