In den endlosen, hermetisch abgeschlossenen Gängen einer vietnamesischen Industriesiedlung, wo die globale Logik des Kapitals den Menschen auf eine messbare Produktionseinheit reduziert, verkörpern die Frauen von SHE die schleichende Katastrophe der heutigen Arbeitswelt.
Regisseur Parsifal Reparato, der als Anthropologe und Archivar des Unsichtbaren arbeitet, versucht nicht, die Fabrikhalle zu entlarven, sondern vielmehr die psychischen und sozialen Trümmer freizulegen, die sie hinterlässt. Der dokumentarische Blick wird durch das Prisma der Nachstellung gebrochen: Die Arbeiterinnen, die vom Fließband in einen leeren, theatralischen Raum versetzt wurden, sollen nicht ihre Unterdrückung darstellen, sondern den Geist ihrer eigenen gestohlenen Zeit verkörpern. Hier wird das Kino zu einer spekulativen Archäologie, die die Gesten der Erschöpfung und Solidarität zutage fördert, die die Produktionsmaschinerie zu tilgen versucht.
Was dabei entsteht, ist kein Film über Ausbeutung, sondern der Film als heimlicher Treffpunkt. Auf der Black-Box-Bühne, auf der die Frauen ihre Tage nachspielen, bricht die Grenze zwischen Realität und Fiktion zusammen und weicht einem Raum, in dem das Recht auf ein Dasein jenseits der Arbeit einstudiert, gefühlt und leidenschaftlich erträumt wird. (Bethan Hughes)