Im Anschluss Gespräch mit Mehmet Akif Büyükatalay (18.10.)
Am Set eines Dramas über den Brandanschlag von Solingen 1993, einem realen rassistischen Anschlags, bei dem fünf Mitglieder einer türkischen Familie ums Leben kamen. Hinter den Kulissen beginnt die Produktion unter dem Gewicht ihrer eigenen Ambitionen zu zerbrechen. Als unter den Requisiten ein verbranntes Koran-Exemplar entdeckt wird, verschwinden die Aufnahmen des Tages auf mysteriöse Weise und es kommt zu gegenseitigen Anschuldigungen.
Im Zentrum des Sturms steht Elif, die zweite Regieassistentin, deren Ehrgeiz mit ihrem wachsenden Unbehagen kollidiert. Während sie sich bemüht, die verlorenen Bänder wiederzufinden und ihre Karriere zu retten, bewegt sie sich auf einem Minenfeld aus moralischen Kompromissen, institutioneller Heuchelei und versteckten Absichten. Während der Regisseur politische Provokation als sein Recht beansprucht, stellt der Produzent Profit über Prinzipien. Unterdessen hinterfragen die überwiegend muslimischen Filmstatisten den ausbeuterischen Blick der Produktion und fragen sich, wem solche Geschichten wirklich dienen.
Hysteria ist eine messerscharfe Mischung aus Genre-Spannung und sengender Sozialkritik. Büyükatalay schafft einen rasanten Thriller, der die Schichten von Rassismus, Opportunismus und performativer Wokeness in der Filmindustrie und darüber hinaus aufdeckt. (BH)
Mehmet Akif Büyükatalay ist ein deutsch-türkischer Filmregisseur und Drehbuchautor und Gründungsmitglied der Filmproduktionsfirma filmfaust.