Organisiert von Ying Sze Pek, Johanna Függer-Vagts und Tanya Talwar (Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Kunst- und Bildgeschichte)
Buddhas im Dschungel
Heinz Karl Heiland, Carl W. Tetting, Deutschland, 1933, 12 Min., Deutsch mit englischen Untertiteln
Indiens steinerne Wunder
Heinz Karl Heiland, Carl W. Tetting, Deutschland, 1933/34, 11 Min., Deutsch mit englischen Untertiteln
Kaschmir das Land über den Wolken
Heinz Karl Heiland, Carl W. Tetting, Deutschland, 1934, 11 Min., Deutsch mit englischen Untertiteln
Über “Song of Ceylon” von Basil Wright
Harun Farocki, Deutschland, 1975, 25 Min., Deutsch mit englischen Untertiteln
Anschließender Vortrag mit Dr. Vindhya Buthpitiya und ein Gespräch mit Reyazul Haque
Im Laufe der Filmgeschichte haben sich Filmemacher*innen aller politischen Richtungen mit den pädagogischen Dimensionen und Möglichkeiten des Films auseinandergesetzt. Als Bildungsmedium par excellence wurde der Film von Regierungsbehörden, Unternehmen und Praktiker*innen gleichermaßen genutzt, um zu informieren, zu überzeugen und zu lehren – oder sogar bisherige Paradigmen des filmischen Sehens zu korrigieren. Das Lernen durch Filme kann somit didaktisch, experimentell, autoritär oder unterhaltsam sein.
Dieses von Wissenschaftler*innen des Instituts für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin organisierte Filmprogramm vereint Dokumentarfilme aus zwei unterschiedlichen Epochen der deutschen Filmgeschichte. Das Programm spiegelt unterschiedliche Ansätze in Film und Bildung wider und stellt Lehrfilme der 1930er Jahre einem Beispiel des politischen Filmemachens der Nachkriegszeit gegenüber, das den Film als pädagogisches Instrument versteht. Zunächst untersuchen wir, wie ein vergessener Filmemacher einen primitivisierenden Blick einsetzte, um Menschen, „Kulturen“ und Orte in Südasien für ein deutsches Publikum der 1930er Jahre als scheinbar stabile Untersuchungseinheiten darzustellen. Wie prägten ideologische und politische Perspektiven dieser Zeit diese Darstellungsweisen und Techniken?
Der zweite Teil des Programms befasst sich mit der Auseinandersetzung eines deutschen Filmemachers der Nachkriegszeit mit dem Kolonialfilm und dessen Aneignung in seinem Werk. Wie haben experimentelle Filmemacher*innen zur Zeit der kulturellen Umwälzungen des „langen Jahres 1968“ in ihren pädagogisch ausgerichteten Filmen bisherige koloniale Sichtweisen dekonstruiert und sich mit neuen Medien wie dem Fernsehen auseinandergesetzt?
An diesem Abend feiert „Buddhas im Dschungel“ seine Deutschlandpremiere – ein ethnografischer Film, der im Rahmen des BMFTR-Forschungsprojekts „De:link//Re:link“ von der Murnau-Stiftung in Zusammenarbeit mit Johanna Függer-Vagts und Tanya Talwar digitalisiert wurde.
Im Anschluss an die Filmvorführung wird Vindhya Buthpitiya Einblicke und Perspektiven zur Darstellung Sri Lankas in den Filmen geben.
Reyazul Haque ist Filmwissenschaftler und beschäftigt sich in seiner Forschung mit den Zusammenhängen zwischen Politik, Zeitlichkeit und Kino. Vor kurzem kuratierte und organisierte er gemeinsam mit anderen die South Asian Cinema Week 2026 in Berlin im Rahmen von „Subkontinent“ (Donaustr. 84), einem Ort und Host für kritische südasiatische Diskussionen rund um Filme in Berlin. Neben Filmen hat Reyazul Werke von Autor*innen wie Arundhati Roy, Ngugi Wa Thiong’O und Anand Teltumbde übersetzt.
Vindhya Buthpitiya ist Anthropologin und forscht an der Schnittstelle von Konflikt und visueller Kultur. Ihre Forschung konzentriert sich auf Widerstand, ethno-nationalistische Konflikte und politische Gewalt in Sri Lanka, wobei sie die lokalen und globalen Folgen des Bürgerkriegs anhand der Entstehung und Verbreitung von Bildern untersucht. Sie ist Dozentin am Institut für Sozialanthropologie der University of St Andrews in Schottland und Autorin des Buches „A Volatile Picture: War and the Political Work of Photography in Sri Lanka“.
https://www.st-andrews.ac.uk/social-anthropology/people/vlb9
Mit freundlicher Unterstützung der Terra Foundation for American Art und des Lehrstuhls für Neuere Kunstgeschichte am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin. Das Filmmaterial wurde mit Unterstützung des BMFTR-Forschungskonsortiums De:link//Re:link und der Murnau-Stiftung digitalisiert. Die Vorführgenehmigung wurde freundlicherweise von Antje Ehmann und Harun Farocki GbR erteilt.