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November 2019

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Deutsch-türkische Film- und Videokultur in Berlin
Kuratiert von Can Sungu

In Berlin lebt eine große deutsch-türkische Community, die heute ein fester Bestandteil des Berliner Kulturlebens ist. Mit dieser Community etablierte sich über die Jahre auch die türkische Filmkultur in Berlin. Angefangen mit Vorführungen türkischer Filme in Berliner Kinos, eroberte in den 1980er Jahren das türkischsprachige Video als willkommene Alternative zu den ausschließlich deutschen Fernsehsendern den Markt. Eine zentrale Rolle spielten dabei die zahlreichen Videotheken, in denen diese Filme angeboten wurden, ebenso wie der „Türkische Basar” am U-Bahnhof Bülowstraße. In den Familien wurden die Videoabende zu wichtigen sozialen Events, zu denen Nachbar*innen und Freund*innen eingeladen wurden. Neben der gesamten Palette der Yeşilçam-Produktionen (der damaligen Istanbuler FIlmindustrie) mit seinen Komödien, Melodramen und Actionfilmen fanden auch u.a. in Deutschland produzierte türkische Filme Anklang, in denen die Migrationserfahrungen, die Entfremdung von der Herkunftsregion bzw. dem Herkunftsland, Identität, Religion und Familie thematisiert wurden. Diese Filme und ihre Ästhetik haben eine ganze Generation anerkannter deutscher Filmemacher*innen wie z.B. Thomas Arslan, Fatih Akin, Ayse Polat u.a. geprägt. Die Geschichte dieser in Deutschland entstandenen migrantischen Filmkultur fehlt bisher fast gänzlich in den Diskursen zum postmigrantischen Film. Die Filme und ihre transnationalen Narrative, sowie die dazugehörenden Orte und Akteur*innen sind ein wichtiges Zeugnis deutscher Film- und Kulturgeschichte und müssen so auch erinnert und wahrgenommen werden. Mit dieser Publikation widmet sich bi’bak der Wiederentdeckung der deutsch-türkischen Film- und Videokultur in Berlin.

Kuratiert von Can Sungu. Beiträge von Ömer Alkin, Cem Kaya u.a. 

Gefördert durch das Programm zur Förderung zeitgeschichtlicher und erinnerungskultureller Projekte der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Can Sungu ist ein freischaffender Künstler, Kurator und Forscher. Er studierte Film, interdisziplinäre Kunst und visuelles Kommunikationsdesign in Istanbul und Berlin. Er hielt Vorträge über Film- und Videoproduktion, kuratierte verschiedene Programme und Veranstaltungen zu Film und Migration und nahm an zahlreichen Ausstellungen teil. Ausgewählte Publikationen: Please Rewind - Deutsch-türkische Film- und Videokultur in Berlin (Archive Books, 2020), Bitter Things - Narratives and Memories of Transnational Families (Archive Books, 2018). Er hat als Juror und Berater u.a. für das Berlinale Forum, die Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen und den DAAD gearbeitet. Er ist Mitbegründer und künstlerischer Leiter von bi'bak und Sinema Transtopia in Berlin.