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Chronicles: Re-reading Iran’s Past from the Diaspora

Kuratiert von  Afsun Moshiry

Ausländer – Teil 3: Iraner 1
Peter Nestler, BRD, 1978, 30 Min., Deutsch mit englischen Untertiteln

Ausländer – Teil 4: Iraner 2
Peter Nestler, BRD, 1978  29 Min,. Deutsch mit englischen Untertiteln

Vorgestellt von Afsun Moshiry, gefolgt von einem Gespräch mit Samira Mohyeddin und Nader Talebi

Die Filme von Peter und Zsóka Nestler vereinen zwei Perspektiven auf den Iran in den Jahren unmittelbar vor der Revolution von 1979: die Geschichte der politischen Macht und die Geschichte derer, die sich ihr widersetzen. Anhand von Archivmaterial, historischen Bildern und gefilmten Objekten zeichnen beide die restriktiven Machtstrukturen unter Schah Mohammad Reza Pahlavi nach, die von Unterdrückung, geopolitischen Interessen und dem globalen Kampf um Öl geprägt waren.

Neben dieser Darstellung von Macht begleiten die Filme iranische Exilant*innen in Stockholm, deren Proteste, Erinnerungen und Berichte die menschlichen Folgen dieser politischen und wirtschaftlichen Kräfte offenbaren. Ihre Stimmen zeigen, wie globale Herrschaftssysteme durch Exil, Arbeit und Gewalt im Leben einzelner Menschen greifbar werden.

Peter Nestler erlebte in Westdeutschland selbst politische Ausgrenzung. Seine Arbeit war Zensur und mangelnder institutioneller Unterstützung ausgesetzt, was ihn schließlich dazu zwang, seine filmische Arbeit im Ausland fortzusetzen, wo er sich in Schweden niederließ. Diese Erfahrung verleiht den Filmen eine zusätzliche Resonanz, indem sie Themen wie Exil, politisches Engagement und die Rolle des Kinos als Form des Widerstands reflektieren.

In einer Zeit, in der der Iran in den internationalen Nachrichten erneut vor allem unter dem Blickwinkel des Krieges erscheint, bieten diese Filme eine seltene Gelegenheit, über die Unmittelbarkeit der aktuellen Schlagzeilen hinauszuschauen. Mit einem Rückblick auf die späten 1970er Jahre beleuchten sie die tiefer liegenden historischen Spannungen, Kämpfe und Akte des Widerstands, die die Gegenwart des Iran bis heute prägen. (Afsun Moshiry)

Samira Mohyeddin ist eine preisgekrönte Journalistin und Dokumentarfilmerin. Sie hat einen Master of Arts in moderner Nahost-Geschichte von der University of Toronto und ist Absolventin des Studiengangs Genocide Studies am Zoryan Institute. Im November 2023 verließ sie die CBC und ist heute Gründerin und Chefredakteurin von On The Line Media, mit einem Fokus auf kritischen, kontextualisierten Journalismus und fundierter Kommentierung.

Nader Talebi ist ein Soziologe, der an der Humboldt-Universität zu Berlin zur Revolution und Migration forscht. Er promovierte an der Lancaster University über Staatsmacht und Revolution im Iran mit einem Schwerpunkt auf der islamischen Revolution von 1979. Neben seiner Lehrtätigkeit ist er Mitbegründer und Leiter der Middle East Research Group (MERGE) am Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM).

01.04.2026