Anschließend Gespräch mit Uli M. Schueppel und Masha Matzke statt
Alle Bemühungen von Kadir, sich im Deutschland der Wendezeit ein Leben aufzubauen, werden vereitelt oder enden in Enttäuschung. Kurz nach dem Mauerfall am 9. November 1989 wird er in der DDR aus einem Zwangsaufenthalt in der Psychiatrie entlassen. Seine Mitmenschen begegnen ihm mit Ablehnung, seine Frau will sich scheiden und ihm den Umgang mit dem gemeinsamen Sohn verbieten lassen. In seiner Verzweiflung erscheint ihm eine riskante Entscheidung als einziger Ausweg: Er entführt seinen Sohn und flieht mit ihm in Richtung Algerien. Kadir, der für Regisseur Uli M Schueppel »Opfer und Täter zugleich« ist, reist mehr entwurzelt denn zielgerichtet durch ein im Umbruch verlorenes Deutschland, eingefangen in fesselnder Bildpoesie. Diese Perspektive erwies sich zur Produktionszeit als großes Wagnis, das Schueppel vehement verteidigen musste.