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  3. Film Restored - Risky Business
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  5. Presentations Session 1

Presentations Session 1

Lecture on Cyankali, Unstable Signals, Projecting Wanjiru Kinyanjui

10:00
Cyankali – A Film That Spoke Out
Julia Wallmüller

Hans Tintners ›Cyankali‹ war von zentraler Bedeutung im Kampf um die Reformierung des umstrittenen Paragraphen 218, der in der Weimarer Republik Abtreibung unter Strafe stellte. Der Film wurde der Zensurbehörde insgesamt sechs Mal vorgelegt. Ihm wurde vorgeworfen, die öffentliche Moral zu untergraben, eine verrohende Wirkung zu haben, Klassenhass zu schüren und die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gefährden.

›Cyankali‹ entstand an der Schwelle zum Tonfilmzeitalter. Der Film enthält Zwischentitel, ist aber auch mit einer Tonspur ausgestattet, die Musik und Klangeffekte aufweist und beim dramatischen Höhepunkt sogar gesprochene Dialoge. Der Ton, der mithilfe des optischen Tri-Ergon-Verfahrens aufgenommen wurde, ist nur in Teilen erhalten: Von den ursprünglich zehn Rollen des Lichttonnegativs existieren noch sechs. Auch das Originalbildnegativ des Films ist lückenhaft. Neben einer Darstellung der Veröffentlichungsgeschichte werden in dieser Präsentation auch die Herausforderungen erörtert, die sich bei der Restaurierung durch die Überlieferungssituation des Ausgangsmaterials ergaben.

Julia Wallmüller

10:30
Unstable Signals – The Lost Video History of the DFFB
Netzwerk Lost Video History dffb

Es ist ein riskantes Unterfangen, Geschichten aus den Randbereichen zu erzählen und sich dabei auf das bekanntermaßen instabile Videosignal zu verlassen – ebenso riskant wie die Archivierung instabiler Magnetbänder, die sich dem Ende ihrer Lebensdauer nähern. Studierende der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) drehen nicht nur Filme, sie realisieren auch Videos, von denen die frühesten bekannten aus dem Jahr 1969 stammen. 1980 wurden Videoarbeiten Teil des Pflichtlehrplans der Akademie. Heute sind die meisten dieser Videos nicht mehr verfügbar, die Bänder sind weit verstreut und benötigen dringend eine archivarische Rettung.

In dieser Präsentation soll ein kurzer Blick auf die Geschichte der Arbeit mit Video an der DFFB, ihre Archivierungspraxis und die erheblichen Lücken im Archiv geworfen werden. Es wird auch der Frage nachgegangen, was für Erhalt und Digitalisierung von Video erforderlich ist. Zudem soll zur Sprache kommen, was Studierende damals über Archivierung und die Institutionen, die diese Aufgabe übernehmen, dachten. Wenn es um Erhalt und Konservierung geht, wie archivieren wir dann überhaupt ein Medium, das ausgerechnet von seiner Instabilität und Kurzlebigkeit geprägt ist? In der Tat ein »Risky Business«.

11:00
Projecting Wanjiru Kinyanjui
Karina Griffith

Im Juni 2025 fand im Sinema Transtopia in Berlin ein Workshop unter dem Titel »Projecting Wanjiru Kinyanjui« statt. Ziel war es, die im Archiv der Deutschen Kinemathek aufbewahrte 35-mm-Kopie von Kinyanjuis DFFB-Abschlussfilm ›Der Kampf um den heiligen Baum‹ von 1995 zu untersuchen. Mithilfe eines ›projektionswissenschaftlichen‹ Ansatzes sollte das Verhältnis zwischen Archiven und dem Schwarzen deutschen Kino verbessert werden. In dem Workshop, an dem der Regisseur, der Filmvorführer Florian Höhensteiger und zehn weitere Personen teilnahmen, wurden die 35-mm-Filmrollen begutachtet und ›gelesen‹, um die Vorführgeschichte zu enthüllen.
Der Filmprofessor und Kurator Gabriel Menotti vertritt die Ansicht, dass Filmwissenschaftler*innen sich stärker am Verhalten von Filmvorführer*innen orientieren sollten. Indem Letztere die Chronik und den Zustand analoger Filmkopien betrachten, können sie sich neben der Interpretation von kinematografischen Werken auch an die Erforschung ihrer Produktions- und Vorführzusammenhänge herantasten. Dieser Ansatz erfordert eine Untersuchung der »negativ belegten Plätze in den Verwertungskreisläufen« dieser Filme.
Diese Fallstudie veranschaulicht das Modell von intersektionaler Filmbewahrungsarbeit. Sie weist auf die Gefahren hin, die entstehen, wenn Filmemacher*innen von den Prozessen der Archivierung, des Verleihs und der Kontextualisierung ihrer in Deutschland gedrehten Werke ausgeschlossen werden.

Karina Griffith