Anke Wilkening, Down- und Upconverts: Rettung und Sicherung von Chetna Voras FilmFrauen in Berlin (auf Deutsch)
Schnell handelte die indische Regiestudentin Chetna Vora 1982, um den Rohschnitt ihres DokumentarfilmsFrauen in Berlinzu retten. Er zeigt Interviews mit Frauen unterschiedlicher Generationen, die über ihre Erfahrungen im Privaten und Beruflichen sprechen. Nach der hochschulinternen Vorführung wurde Vora aufgefordert, ihre 140-minütige Fassung auf 30 Minuten zu kürzen. Vora konnte das 16-mm-Material unbemerkt aus der HFF heraus und nach Berlin bringen, um es dort mittels eines 16-mm-Filmprojektors und einer Videokamera zu kopieren, bevor die Hochschule das Fehlen entdeckte. Heute ist diese Videokopie das einzig bekannte Zeugnis von Voras Rohschnitt. Erst lange nach der Wende scheint sie öffentlich zur Vorführung gekommen zu sein. Die Defizite der damaligen Videotechnik und des eilig aufgebauten Set-ups sind Teil der Rezeption des Films geworden. Dem gegenüber stehen 23 Minuten, die aus dem Umkehroriginal erhalten sind, ein radikaler Zusammenschnitt für Sendezwecke, der letztendlich nicht ausgestrahlt wurde. Wie kann ein Restaurierungskonzept für dieses unvollendete Werk aussehen? Wie soll das Original ästhetisch und editorisch definiert werden und welche Rolle spielt dabei die Rezeption des Werks?Frauen in Berlinwar als Voras Regie-Diplomfilm geplant. Welchen Platz nimmt der Film im Gesamtwerk der bereits 1987 verstorbenen Regisseurin ein?
Anke Wilkening ist Filmrestauratorin, Filmwissenschaftlerin und seit 2021 Projektkoordinatorin des Förderprogramms Filmerbe (FEE) an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF.