Anschließend Gespräch mit Josephine Apraku und Kristin Lein
Moonlight erzählt in drei Akten – Kindheit, Jugend und Erwachsensein – die Geschichte von Chiron, der in Miami bei seiner suchtkranken Mutter aufwächst. In einer von Armut und Gewalt geprägten Umgebung sucht er nach Zugehörigkeit und nach Raum für seine Verletzlichkeit. In Juan, einem Dealer, findet er unerwartet Geborgenheit und ein anderes Bild von Männlichkeit. Als Jugendlicher erlebt er zum ersten Mal erwiderte Zuneigung durch seinen Schulfreund Kevin. Jahre später begegnet er Kevin erneut: Eine Begegnung, die seine harte Schale ins Wanken bringt.Der Film ist eine sensibel erzählte Geschichte, die von tief empfundener Emotionalität geprägt ist und queere, Schwarze Lebensrealitäten mit großer Zärtlichkeit sichtbar macht.
Josephine über Moonlight: “Ein Aspekt, der mich besonders beeindruckt hat, ist die visuelle Gestaltung: Es ist der erste Film, der sowohl das Color Grading als auch die Kamerakalibrierung bewusst auf die unterschiedlichen Hautschattierungen Schwarzer Menschen ausgerichtet hat – in einer Filmgeschichte, die sonst auf weiße Körper abgestimmt war. Damit schafft Moonlight eine visuelle Praxis, die Schwarze Menschen in all ihrer Schönheit und Emotionalität ins Zentrum rückt. Durch diese Bildsprache wird Emotionalität erzählt, ohne dass Worte nötig sind – es entsteht eine unmittelbare Verbindung zu den Figuren, jenseits von Lebensrealität.” (JA)
Josephine Apraku ist Afrikawissenschaftler*in, Autor*in, Podcaster*in und Referent*in für intersektionale rassismuskritische Bildungsarbeit. Josephines Arbeit bewegt sich zwischen Kritik und Utopie – mit dem Ziel, Unterdrückung sichtbar zu machen und kollektive Veränderung anzustoßen.
Kristin Lein ist Kulturwissenschaftlerin und Autorin. Sie war Mitbegründerin des Online-Magazins »brausemag«, das Jugendlichen Einblicke in Musik, Kultur und Gesellschaft eröffnete. Seit mehr als zehn Jahren schreibt sie über Mutterschaft, intersektionalen Feminismus und Musik – kritisch, persönlich und mit Blick auf gegenwärtige Debatten.