Einführung durch You Jae Lee, im Anschluss Gespräch mit Inuk Hwang
Im April 1980 erhoben sich in Sabuk (Südkorea) Bergleute und Anwohner*innen, um ihre Arbeitsrechte einzufordern. Die neu eingesetzte Militärregierung reagierte mit der Ausrufung des Ausnahmezustands und der gewaltsamen Unterdrückung des Aufstands. Der Vorfall in der Dongwon-Kohlengrube, der einen Monat vor dem Gwangju-Aufstand stattfand, wurde vom Staat vertuscht und blieb lange Zeit undokumentiert.
Über einen Zeitraum von fünf Jahren besuchte der Regisseur den Ort mehr als 140 Mal und führte mit über 100 Personen Interviews. Der Film gibt nicht nur den Opfern und ihren Familien eine Stimme, sondern auch ehemaligen Täter*innen und Polizist*innen, wodurch eine multiperspektivische Betrachtung der Ereignisse ermöglicht wird. Auf diese Weise trägt der Film zur historischen Aufarbeitung staatlicher Gewalt bei und verleiht den anhaltenden Forderungen nach einer offiziellen Entschuldigung und Wiedergutmachung durch den Staat Gewicht.
Die Vorführung des Films in Deutschland stellt eine historische Verbindung zu den koreanischen Bergarbeitern her, die ebenfalls 1980 im Ruhrgebiet für ihre Menschen- und Aufenthaltsrechte der letzten verbliebenen 800 sogenannten Gastarbeiter kämpften. Ihr Erfolg in Deutschland stand in direktem Zusammenhang mit den blutigen Ereignissen in Korea. Diese transnationale, von unten getragene Solidarität würdigt die Geschichte gewöhnlicher Menschen, deren Schicksale in den Geschichtsbüchern allzu oft übergangen werden. (YJL)
Inuk Hwang ist Direktor des Forschungsinstituts zur regionalen Gesellschaft Jeongseon und Sprecher des Films.
You Jae Lee ist Professor für Koreanistik an der Universität Tübingen.