Als in den frühen 1980er Jahren in Deutschland die ersten Videorekorder aufkamen, wurde die neue Technologie vor allem in den deutsch-türkischen Communities begrüßt. Während im Fernsehen kaum türkischsprachige Programme verfügbar waren, konnte man nun auf Videokassetten türkische Kinofilme schauen. Die Videoabende wurden zu zentralen sozialen Events, zu denen Familie, Nachbar*innen und Freund*innen zusammenkamen. Bald wurden zahlreiche Video-Produktionsfirmen in Deutschland gegründet, die aus der Türkei importierte Filme auf Videokassetten überspielten und sie bundesweit an Händler, Videotheken und türkische Supermärkte vertrieben. Die Videos füllten eine Marktnische, die ganz gezielt das türkische Publikum in Deutschland ansprach.
Mit Replaying Home hat Can Sungu eine Video-Collage geschaffen, welche anhand von ausgewählten Ausschnitten aus türkischen Filmen, die in den 1970er und 80er Jahren in Deutschland gedreht wurden, eine neue Narration etabliert. Der Film lädt zu einer Reise durch ein fiktives Universum ein, das auf Stereotypen, Kulturschock, Okzidentalismus, Heimweh und den Traumata des Lebens in der Fremde basiert. Erweitert durch Videoschnipsel und Vorträge, gibt die Veranstaltung Einblicke in die türkische Film- und Videokultur in Deutschland und diskutiert die Rolle, welche diese Filmkultur in der deutschen Kulturgeschichte und Erinnerungskultur einnehmen sollte.