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Esquirlas

Splinters
Natalia Garayalde, Argentinien 2020, 70 Min., Spanisch mit englischen Untertitel

Es hätte für Aufnahmen eines Bombardements an einem anderen Ort gehalten werden können – eine Szene des Schreckens in weiter Ferne. Doch dieses Ereignis traf mitten ins Leben, aus nächster Nähe, am helllichten Tag. 1995 kam es in der argentinischen Stadt Río Tercero in der Provinz Córdoba zu einer Explosion in einer Waffenfabrik, die eine Spur der Verwüstung hinterließ. Trümmer und Staub erfüllten die Luft, Menschen wurden verletzt und getötet, und in den darauffolgenden Jahren hielten Traumata und Krankheiten wie unsichtbare Nachbeben an.

Auch wenn die Stadt diesen tragischen Tag nie vergessen hat, eröffnet die Filmemacherin Natalia Garayalde eine zutiefst persönliche Perspektive auf dieses kollektive Gedächtnis, indem sie den Blick auf die Erfahrungen ihrer eigenen Familie richtet. So verwandelt sie eine lokale Katastrophe in eine kraftvolle, emotional berührende Erzählung mit präzisem politischem Gespür.

Jeder Akt des Erinnerns ist in gewisser Weise ein Akt der Montage. Garayalde montiert akribisch das von ihrer Familie – leidenschaftlichen Amateurfilmer*innen – aufgenommene Material von vor und nach der Explosion. In diesem Prozess gewinnt die Erinnerung neue Tiefe. Die Archivbilder werden neu kontextualisiert, Jahrzehnte später mit frischer Bedeutung aufgeladen, und die Vergangenheit tritt in erschütternder Klarheit zutage. Entstanden ist eine eindringliche Reflexion darüber, wie man ein Gefühl filmen kann – wie sich Trauer, Wut und Widerstandskraft in ihrer zeitlichen Ausstrahlung einfangen lassen. (ML)

13.09.2025